10 greatest albums of 2008

28 12 2008

zum jahresende kann auch ich der versuchung nicht widerstehen eine liste meiner zehn liebsten alben des vergangenen jahres zu veröffentlichen. denn schließlich liebe ich listen und ich liebe musik, und eine solche gelegenheit die beiden zu kombinieren werde ich mir nicht entgehen lassen. hier also, in no particular order:

foals-antidotes1 foals – antidotes.

auch ohne hummer ein großartiges album, und dass obwohl es das allererste ist. außergewöhnlich und doch nicht unzugänglich. ich verbinde damit die wunderbare erinnerung im april in meinem grau weiß karierten hemd auf der reeperbahn zu stehen, hinnehmen zu müssen, dass es keine karten mehr für das konzert gibt und dabei yannis philippakis beim rauchen zuzusehen. unvergesslich. nicht unerwähnt sollen auch die musikvideos von foals bleiben. ich finde es lobenswert, wenn sich eine band trotz des niedergangs von mtv noch die mühe gibt solche videos wie z.b. die zu balloons, mathlectics und hummer zu machen. zudem konnten foals mein herz noch mit den allerliebsten nachrichten erobern, die ich bei facebook von ihnen bekomme, seit ich dort offiziell ihr fan wurde. und dadurch, dass sie ihre gitarren so hoch tragen.

lieblingstrack: the race for radio supremacy oder auch electric bloom

crsytal-castlescrystal castles – crystal castles.

das erste mal habe ich in der britischen teenager-serie skins was von crystal castles gehört. das heißt aber nicht, dass crystal castles kinder-techno ist, sondern dass die macher von skins einen exzellenten geschmack haben. so gut mir die musik beim hören gefiel, so überrascht war ich trotzdem als ich das erste mal dazu tanzte, wie gut das ging. untrust us schien die kontrolle über meine beine zu übernehmen ohne dass ich selber noch viel dazu tun musste. für die zukunft nehme ich mir vor auch mal genau auf die texte zu achten, die sollen nämlich sehr bizarr sein.

lieblingstrack: untrust us

mgmtmgmt – oracular spectacular.

schon im frühling hatte die liebe do in sehr vorausschauender weise „kids“ auf einer compilation. was dieser track versprach wurde von dem album gehalten und ich habe es in den monaten seit seinem erscheinen viel und gerne gehört. die mitglieder von last.fm „spielten“ es in die albumcharts für 2008 und bei nme kam es sogar auf den ersten platz - und das sowohl bei den singles und bei den alben. das hatten letztes jahr klaxons geschafft.

lieblingstrack: electric feel

donkey-css1css – donkey.

natürlich hatte ich nach den vielen enttäuschenden 2008 erschienenen zweiten alben angst, dass auch donkey nicht an cansei de ser sexy heranreichen würde. erst sah es auch ganz so aus, aber ich habe dieses album mit der zeit doch liebgehört. einen knaller wie „music is my hot hot sex“ hat es zwar nicht zu bieten, aber trotzdem hat es noch einen platz in dieser liste verdient – schließlich war ja immer klar, dass es nicht noch ein album wie das debut geben konnte.

lieblingstrack: believe achieve


does-it-offend-you-yeahdoes it offend you, yeah? – you have no idea what you’re getting yourself into.

10 dinge die ich an dir liebe: 1. das cover 2. den namen der band 3. den namen des albums 4. trash wie „we are rockstars“ 5. songtitel wie „attack of the 60 ft lesbian octopus“ 6. die tanzbarkeit des albums im allgemeinen und von „battle royale“ im besonderen 7. indie-gold wie „dawn of the dead“ 8. die kotzgeräusche auf „weird science“ 9. die ungeheure vielseitigkeit 10. dass ich für all diese großartigkeit sogar das ätzende „let’s make out“ ab und zu ertragen kann.

lieblingstrack: battle royale

operator-please1operator please – yes yes vindictive.

ich muss gestehen, ich bin etwas verwirrt was das release date dieses albums angeht. aber ich sage jetzt einfach mal 2008. jedenfalls habe ich es 2008 viel gehört, nachdem ich darüber hinweg war, dass die mitglieder dieser band etwa 10 jahre jünger sind als ich. das album ist jedenfalls noch besser als die vorangehende ep und sehr vielseitig von rockig-lauten bis zu poppig-kitschigen songs. und alles mit geigen.

lieblingstrack: cringe


black-kids1black kids – partie traumatic.

i’m not gonna teach your boyfriend how to dance with you“ könnte finde ich einwandfrei einem 80er teenie-kultfilm entsprungen sein. und das gesamte album lässt sich einerseits großartig durchhören und enthält andererseits so einige tanzflächen-juwelen (bah! hässliches deutsch!). das einzig schwer zu verdauende an den black kids ist ihr unerträglich prätentiöser frontman – aber den sieht man auf dem album ja zum glück nicht.

lieblingstrack: partie traumatic


kooks

the kooks – konk.

trotz aller indie-übersättigung und -müdigkeit habe ich dieses album sehr gemocht. die kooks sind einfach so nett, verbreiten auf unaufdringliche und liebenswerte art und weise eine positive stimmung – und das ohne dabei nervig zu sein. konk eignet sich perfekt um es bei einem sonnigen herbstspaziergang oder auf einer weiteren busfahrt zu hören, partytauglich finde ich es aber nicht wirklich. für „mr. maker“ würde jeder dj von mir nur ein genervtes augenverdrehen ernten.

lieblingstrack: sway

razorlightrazorlight – slipway fires.

zunächst mal komme ich um einen tadel für dieses unattraktive, uninspirierte cover nicht herum. also bitte! aber wie sagt man so schön: „don’t judge an album by it’s cover“. habe ich auch nicht gemacht – die musik ist nämlich besser als es die verpackung erhoffen ließe. schön melancholisch und nachdenklich, das release-date im dezember war wirklich sehr passend. die zehn neuen songs sind ganz eindeutig razorlight und stellen eine angemessene fortsetzung zum vielgehörten vorgänger dar.

lieblingstrack: 60 thompson

coldplaycoldplay – viva la vida or death and all his friends.

es ist natürlich ziemlich abgedroschen dieses album gutzufinden. aber ich tue es trotzdem. und stehe dazu. es geht doch nichts über „lost!“ und „lost?“ auf zugfahrten – das macht so richtig melancholisch und schläfrig. und chris martin’s stimme ist einfach so schön. und auch das orchester. was soll man machen? und schlecht kann ein album auch nicht sein, wenn es nach so häufigem hören immer noch so gut ist. bestimmt auch 2009 noch.

lieblingstrack: lost

***

und das sagen die anderen: nme, last.fm

was sagt ihr?





urlaubslektüre

9 12 2008

schon eine ganze weile bin ich jetzt aus sylt zurück, aber trotzdem muss ich jetzt noch von den vielen mehr oder weniger tollen büchern berichten, die ich dort gelesen habe. schon allein weil ich über vier bücher in nichtmal zwei wochen eine ganz schön gute rate finde.

rant1rant – the oral biography of buster casey (chuck palahniuk): palahniuk war ja mal sowas wie mein lieblingsautor. trotzdem hatte ich schon seit dem erscheinen von diary (dass ich nach dem verlust meiner weisheitszähne dankbar verschlungen habe, wo ich schon sonst nichts verschlingen konnte) nichts mehr von ihm gelesen. nun stand mir aber plötzlich rant zur verfügung und da dachte ich, dass das doch sicher eine ausgezeichnete lektüre für die 9-stündige bahnfahrt wäre: durch den „igitt ist das eklig, ich kann nicht aufhören zu lesen“-effekt würde es mir gelingen sämtliche lauten mitreisenden einfach zu ignorieren und mich in chucks welt aus gewalt, gesellschaftskritik, sex und skuriler expertise zu verlieren.

leider war dem aber nicht so. irgendwie hatte ich das gefühl das alles schon zu kennen. und auch die palahniuk-typische art des satzbaus kann ich mittlerweile schon viel zu gut vorhersagen. vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu alt oder zu weich geworden. trotz alledem glaube ich aber sagen zu können, dass dies keins von chucks meisterwerken ist. schon allein das twist-ending ließ mich bei weitem nicht vor begeisterung vom sofa fallen (auf dem ich zu diesem zeitpunkt bereits angelangt war). aber auch das thema, das sich immer durch plahniuk-bücher hindurchzieht (in diesem falle die tollwut und freiwillig herbeigeführte bisse giftiger insekten) haben mich nicht so überzeugt wie in früheren werken. und wenn man schon eine utopie/dystopie schreibt, kann man das ja auch etwas konsequenter tun, finde ich. ich habe mir deshalb auch vorgenommen bei gelegenheit mal eine aufstellung über chucks bücher, ihre themen und besonderheiten zu machen. bis dahin nur so viel: wer chuck lesen will, sollte lieber mit invisible monsters oder dem klassiker fight club anfangen.

paint-it-blackpaint it black (janet fitch): nach so viel männlichem zynismus war mir erstmal nach etwas weiblicher melancholie zumute. deshalb machte ich mich daran das neue buch der autorin von white oleander zu lesen, das ich vor ein paar jahren ziemlich gut fand. anfangs musste ich mich erstmal ein bisschen an die teilweise doch etwas melodramatischen ausbrüche, durchsetzt mit unmotivierten kraftausdrücken, der protagonistin gewöhnen, aber dann habe ich doch eingesehen, dass sie ja immerhin gerade ihren großartigen freund durch selbstmord verloren hatte, und da ist ein bisschen jammern und fluchen gepaart mit vodka (josie nennt ihn voddy oder smirny) und ciggies vielleicht gar nicht so fehl am platz. mit der zeit kommt man auch gut rein in die geschichte, in josies leben als künstlermodell im l.a. der 80er jahre, ihre punk-party erlebnisse und in ihr sonderbares verhältnis mit der mutter des toten. man erfährt immer mehr über ihn, obwohl er schon gar nicht mehr lebt und begibt sich mit josie auf eine achterbahnfahrt durch die verschiedensten verwirrten emotionen. dieses buch ist wohl wirklich nur was für frauen, was aber nicht bedeutet, dass es kitschig und abgedroschen wäre. im gegenteil: das ende ist wirklich inspirierend und trifft eine gute balance zwischen realismus und optimismus.

what-was-lost what was lost (catherine o’flynn): dieses buch wollte ich lesen, weil es für den man booker prize nominiert war. es war auch ganz witzig und nett. aber es war eben nur nominiert. und wer mag schon witzig und nett? ich hab mich trotzdem irgendwie durchgebissen durch die geschichte von einem mädchen, das in der vergangenheit in einem britischen einkaufszentrum detektiv spielt und dann verschwindet, 20 jahre später aber wieder als geist dort auftaucht, worüber 2 aktuell im einkaufszentrum angestellte sich näher kommen und so weiter und so fort. immerhin war das ende nicht doof, aber ich werde dieses buch sicherlich weder nochmal lesen noch weiter empfehlen.

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a-heartbreaking-work a heartbreaking work of staggering genius (dave eggers): dieser titel ist natürlich schon gewagt. so gewagt, dass sich david duchovny in californication spezifisch darüber lustig gemacht hat. und californication mag ich ja eigentlich. aber trotzdem war dieses buch auf goodreads so gut bewertet und kommentiert und die geschichte klang so interessant, dass ich es trotzdem lesen wollte. in ahwosg beschreibt der autor seine erfahrungen mit dem tod seiner eltern, die innerhalb weniger wochen beide an krebs starben, als er etwa 20 war. daraufhin wird er verantwortlich für seinen kleinen, 7-jährigen bruder topher mit dem er nach san francisco zieht, wo er mit freunden eine zeitschrift gründet. ich mag seinen stil, wie er dieses leben beschreibt, zwischen elternabenden und parties, zwischen sorgen um das wohlergehen seines schutzbefohlenen und sein eigenes, z.b. auch in bezug auf zu erobernde frauen. ich finde nicht, dass der autor mit diesem buch lediglich sich und seinen kummer feiert – die lektüre war wirklich bereichernd und die charaktere so beschrieben, dass man sich für sie interessierte. dass das buch in californien spielt, wo ich ja so kurz vorher gewesen war, machte das ganze noch realer, weil ich viele der beschriebenen plätze selber kannte und sie so vor einem inneren auge zum leben erwachen konnten. das ende hat mich nicht so begeistert, aber insgesamt kann ich mir gut vorstellen, dass ich in ein paar jahren wieder lust haben werde dieses buch in die hand zu nehmen oder auch etwas anderes von dave eggers zu lesen.

the-dispossessedthe dispossessed (ursula k. le guin): dieses buch habe ich auf der rückfahrt angefangen. es ist mir immer wieder im internet begegnet, immer wieder mit den entschiedensten empfehlungen von leuten, die davon überzeugt schienen, dass jeder es kennen sollte. das buch ist eine utopie, in der es um 2 zwillingsplaneten geht von denen einer anarchisch, der andere so wie unsere heutige gesellschaft organisiert ist (ääh, organisiert ist da vielleicht nicht so das richtige wort?). es werden so die vor- und nachteile dieser verschiedenen staatsformen dargestellt, das ganze ist natürlich extrem kritisch an all den konzepten, die wir so lieben, wie kapitalismus, bürokratie, patriarchat etc. erzählt wird die geschichte aus der perspektive eines physikers, der von dem anarchischen auf den anderen planeten reist um verständigung herzustellen und sehr von den fremden zuständen dort überrascht ist. aufgebaut ist das ganze in kapiteln, die abwechselnd in der vergangenheit in der anarchie und in der gegenwart auf dem der erde ähnlichen planeten spielen. schon das allein ist mühsam zu lesen. und auch insgesamt finde ich die geschichte etwas plump, vor allem wenn man bedenkt, wie elegant science fiction sein kann. und wer will schon details über die theorie des physikers wissen, wenn dazu das verständnis der theorien von einstein quasi als voraussetzuung genannt wird? das alles ist wohl auch der grund, warum ich dieses gar nicht mal dicke buch nach vier wochen immer noch nicht durch habe, und das obwohl ich doch so gerne mit anna karenina anfangen würde.

hat sonst jemand tipps für urlaubslektüre oder sonst lesenswerte (oder auch zu vermeidende) literatur?