urlaubslektüre

9 12 2008

schon eine ganze weile bin ich jetzt aus sylt zurück, aber trotzdem muss ich jetzt noch von den vielen mehr oder weniger tollen büchern berichten, die ich dort gelesen habe. schon allein weil ich über vier bücher in nichtmal zwei wochen eine ganz schön gute rate finde.

rant1rant – the oral biography of buster casey (chuck palahniuk): palahniuk war ja mal sowas wie mein lieblingsautor. trotzdem hatte ich schon seit dem erscheinen von diary (dass ich nach dem verlust meiner weisheitszähne dankbar verschlungen habe, wo ich schon sonst nichts verschlingen konnte) nichts mehr von ihm gelesen. nun stand mir aber plötzlich rant zur verfügung und da dachte ich, dass das doch sicher eine ausgezeichnete lektüre für die 9-stündige bahnfahrt wäre: durch den „igitt ist das eklig, ich kann nicht aufhören zu lesen“-effekt würde es mir gelingen sämtliche lauten mitreisenden einfach zu ignorieren und mich in chucks welt aus gewalt, gesellschaftskritik, sex und skuriler expertise zu verlieren.

leider war dem aber nicht so. irgendwie hatte ich das gefühl das alles schon zu kennen. und auch die palahniuk-typische art des satzbaus kann ich mittlerweile schon viel zu gut vorhersagen. vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu alt oder zu weich geworden. trotz alledem glaube ich aber sagen zu können, dass dies keins von chucks meisterwerken ist. schon allein das twist-ending ließ mich bei weitem nicht vor begeisterung vom sofa fallen (auf dem ich zu diesem zeitpunkt bereits angelangt war). aber auch das thema, das sich immer durch plahniuk-bücher hindurchzieht (in diesem falle die tollwut und freiwillig herbeigeführte bisse giftiger insekten) haben mich nicht so überzeugt wie in früheren werken. und wenn man schon eine utopie/dystopie schreibt, kann man das ja auch etwas konsequenter tun, finde ich. ich habe mir deshalb auch vorgenommen bei gelegenheit mal eine aufstellung über chucks bücher, ihre themen und besonderheiten zu machen. bis dahin nur so viel: wer chuck lesen will, sollte lieber mit invisible monsters oder dem klassiker fight club anfangen.

paint-it-blackpaint it black (janet fitch): nach so viel männlichem zynismus war mir erstmal nach etwas weiblicher melancholie zumute. deshalb machte ich mich daran das neue buch der autorin von white oleander zu lesen, das ich vor ein paar jahren ziemlich gut fand. anfangs musste ich mich erstmal ein bisschen an die teilweise doch etwas melodramatischen ausbrüche, durchsetzt mit unmotivierten kraftausdrücken, der protagonistin gewöhnen, aber dann habe ich doch eingesehen, dass sie ja immerhin gerade ihren großartigen freund durch selbstmord verloren hatte, und da ist ein bisschen jammern und fluchen gepaart mit vodka (josie nennt ihn voddy oder smirny) und ciggies vielleicht gar nicht so fehl am platz. mit der zeit kommt man auch gut rein in die geschichte, in josies leben als künstlermodell im l.a. der 80er jahre, ihre punk-party erlebnisse und in ihr sonderbares verhältnis mit der mutter des toten. man erfährt immer mehr über ihn, obwohl er schon gar nicht mehr lebt und begibt sich mit josie auf eine achterbahnfahrt durch die verschiedensten verwirrten emotionen. dieses buch ist wohl wirklich nur was für frauen, was aber nicht bedeutet, dass es kitschig und abgedroschen wäre. im gegenteil: das ende ist wirklich inspirierend und trifft eine gute balance zwischen realismus und optimismus.

what-was-lost what was lost (catherine o’flynn): dieses buch wollte ich lesen, weil es für den man booker prize nominiert war. es war auch ganz witzig und nett. aber es war eben nur nominiert. und wer mag schon witzig und nett? ich hab mich trotzdem irgendwie durchgebissen durch die geschichte von einem mädchen, das in der vergangenheit in einem britischen einkaufszentrum detektiv spielt und dann verschwindet, 20 jahre später aber wieder als geist dort auftaucht, worüber 2 aktuell im einkaufszentrum angestellte sich näher kommen und so weiter und so fort. immerhin war das ende nicht doof, aber ich werde dieses buch sicherlich weder nochmal lesen noch weiter empfehlen.

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a-heartbreaking-work a heartbreaking work of staggering genius (dave eggers): dieser titel ist natürlich schon gewagt. so gewagt, dass sich david duchovny in californication spezifisch darüber lustig gemacht hat. und californication mag ich ja eigentlich. aber trotzdem war dieses buch auf goodreads so gut bewertet und kommentiert und die geschichte klang so interessant, dass ich es trotzdem lesen wollte. in ahwosg beschreibt der autor seine erfahrungen mit dem tod seiner eltern, die innerhalb weniger wochen beide an krebs starben, als er etwa 20 war. daraufhin wird er verantwortlich für seinen kleinen, 7-jährigen bruder topher mit dem er nach san francisco zieht, wo er mit freunden eine zeitschrift gründet. ich mag seinen stil, wie er dieses leben beschreibt, zwischen elternabenden und parties, zwischen sorgen um das wohlergehen seines schutzbefohlenen und sein eigenes, z.b. auch in bezug auf zu erobernde frauen. ich finde nicht, dass der autor mit diesem buch lediglich sich und seinen kummer feiert – die lektüre war wirklich bereichernd und die charaktere so beschrieben, dass man sich für sie interessierte. dass das buch in californien spielt, wo ich ja so kurz vorher gewesen war, machte das ganze noch realer, weil ich viele der beschriebenen plätze selber kannte und sie so vor einem inneren auge zum leben erwachen konnten. das ende hat mich nicht so begeistert, aber insgesamt kann ich mir gut vorstellen, dass ich in ein paar jahren wieder lust haben werde dieses buch in die hand zu nehmen oder auch etwas anderes von dave eggers zu lesen.

the-dispossessedthe dispossessed (ursula k. le guin): dieses buch habe ich auf der rückfahrt angefangen. es ist mir immer wieder im internet begegnet, immer wieder mit den entschiedensten empfehlungen von leuten, die davon überzeugt schienen, dass jeder es kennen sollte. das buch ist eine utopie, in der es um 2 zwillingsplaneten geht von denen einer anarchisch, der andere so wie unsere heutige gesellschaft organisiert ist (ääh, organisiert ist da vielleicht nicht so das richtige wort?). es werden so die vor- und nachteile dieser verschiedenen staatsformen dargestellt, das ganze ist natürlich extrem kritisch an all den konzepten, die wir so lieben, wie kapitalismus, bürokratie, patriarchat etc. erzählt wird die geschichte aus der perspektive eines physikers, der von dem anarchischen auf den anderen planeten reist um verständigung herzustellen und sehr von den fremden zuständen dort überrascht ist. aufgebaut ist das ganze in kapiteln, die abwechselnd in der vergangenheit in der anarchie und in der gegenwart auf dem der erde ähnlichen planeten spielen. schon das allein ist mühsam zu lesen. und auch insgesamt finde ich die geschichte etwas plump, vor allem wenn man bedenkt, wie elegant science fiction sein kann. und wer will schon details über die theorie des physikers wissen, wenn dazu das verständnis der theorien von einstein quasi als voraussetzuung genannt wird? das alles ist wohl auch der grund, warum ich dieses gar nicht mal dicke buch nach vier wochen immer noch nicht durch habe, und das obwohl ich doch so gerne mit anna karenina anfangen würde.

hat sonst jemand tipps für urlaubslektüre oder sonst lesenswerte (oder auch zu vermeidende) literatur?


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2 Antworten

10 12 2008
Svenja

Paint it black hört sich gut an – weiße Oleander haben mir schon sehr gut gefallen. So viele Bücher in der Zeit, das ist definitiv eine Leistung! Ich muss mich unbedingt mal bei Goodreads registrieren…
Auf jeden Fall empfehlen kann ich „Atonement“ von Ian McEwan. Obwohl ich es eigentlich meiden wollte, weil die Vorschau der Filmversion mit Keira Nightly so bäh kitschig aussah, hat mich das Buch total umgehauen – sowohl vom Stil als auch von der Geschichte, es zieht einen voll in den Bann (wie es Palahniuk vll hätte tun sollen…).

11 12 2008
Do

Ich will auch wieder lesen. Dieses Jahr im Urlaub, also in einer Woche, 3,75 Bücher, das war wundervoll! Allerdings bin ich gerade auch in ein tolles Buch vertieft (400 Seiten geschafft, 300 bleiben): Krapp & Weidemann. *Ironie aus*

Und einen Palahniuk nach einer bösen OP im Mundraum erscheint mir als wertvoller Tipp (du weißt ja, wie schwer mir nicht-essen fällt).

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